Call for Papers

DGSKA-Tagung 2023 „Umstrittenes Wissen: Ethnologische Perspektiven“

Die Tagung findet vom 25. bis 28. Juli 2023 an der Ludwig-Maximilians-Universität München statt.

Links zum CfP:
https://www.dgska.de/cfp-cff/
https://www.dgska.de/wp-content/uploads/2022/09/CfP_2023.pdf

Workshop der AG Ethnologie & Bildung
#57 „Transversion der Wissensvermittlung“

Bildung gilt per se als Wissensvermittlung. Doch „Wissensvermittlung“ erlebt in der Postmoderne eine Partikularisierung. Fachwissen wird immer präsenter und damit auch die Frage, wer Wissen vermitteln kann und woher Wissen und Erfahrung bezogen werden – aus Lebenserfahrung, bspw. Alter oder gesellschaftlicher Positionierung, oder fachlicher („akademisch gelernter“) Expertise. Inwiefern überschneiden sich diese Erfahrungswelten in der Position des:der Wissensvermittler:in?

Wissen entsteht in divergierenden Kontexten und die eindeutige Hoheit westlich geprägter Rationalität wird kritisch hinterfragt. Der postkoloniale Diskurs weist darauf hin, dass es differenzierte, situierte Formen von Wissen gibt, die bisher wenig beachtet wurden. Diese bedürfen der Vermittlung untereinander durch Vergleich und Übersetzung. Die Fähigkeit, sich zwischen verschiedenen Formen der Rationalität zu bewegen und zu vermitteln, hat Wolfgang Welsch transversale Vernunft genannt (2002). Mit dem Begriff der Transversion soll auf diese Vermittlungs- und Übersetzungsleistungen insbesondere im Bildungssektor referiert werden.

Zudem gelangt die Deutungshoheit über sogenannte „Andere“ in den Fokus. Wer spricht (bzw. Wissen vermittelt), setzt damit die Deutungshoheit; über sich selbst, aber auch über Andere. Die Rückeroberung der individuellen Selbstbestimmung spiegelt sich in Lehr- und Lernmedien wieder, in der Art, wie gesprochen wird, in künstlerischen Darstellungen, in Präsentationen und in der Toleranz der Bildungsstätten und -vermittler:innen.

In unserem Workshop möchten wir die Transversion der Wissensvermittlung an den Schnittstellen zwischen Ethnologie und Bildung beleuchten und kritisch diskutieren.

Wir freuen uns deshalb über Beiträge, die sich in dieses Themengebiet einfügen und bspw. die folgenden Fragestellungen behandeln:

  • Empfänger und Sender: Wer lernt von wem?
  • Wie wird Wissen vermittelt und generiert in einem partizipatorischen und prozesshaften Lehr- und Lernumfeld, welches sich gemeinsamem Lernen verschreibt (vgl. Ingold 2018)?
  • Wie kann Bildung Haltung (gelebtes Wissen) vermitteln?
  • Welche Rolle spielt die Sprache und deren Umgang mit Begriffen, Bedeutungen und Metaphern (vgl. Welsch 2002)?
  • Wie werden verschiedene Zielgruppen mit welchen Bildungsformaten erreicht? Wie gelangt Wissen nicht nur an Einzelpersonen, sondern an Multiplikator:innen und in Institutionen?
  • Angesichts der Vielfalt von Wissenssystemen, welches Wissen wird vermittelt?
  • Wie können wir von anderen Wissenssystemen lernen? Und gilt es nicht vielmehr, im Sinne von postkolonialen Ansätzen, Wissen zu verlernen?
  • Was sind theoretische und praktisch erprobte Ansätze Transformativer Bildungsarbeit, die auf einen sozial-ökologischen Wandel hinwirken?

Bitte reicht eure Beitragsvorschläge (Titel bzw. Thema sowie Kurzbeschreibung) bis zum 15.12.2022 ein unter ag.ethnologische.bildung@web.de.

Werbung